Es darf auch mal rockige Musik sein

VON MATHIAS GILLEN

 

Neben katholischen und protestantischen Kirchengemeinden existieren auch Freikirchen, die gläubigen Christen ein geistliches Zuhause geben. Die drei in Landstuhl ansässigen finanzieren sich durch freiwillige Spenden und gestalten ihr Gemeindeleben auf unterschiedliche Weise. Vieles läuft über das Ehrenamt.

 

In der ältesten Straße von Landstuhl, der Kirchenstraße, hat die Trinity Reformed Church (TRC) – also die Reformierte Dreifaltigkeitskirche – ihr Gemeindehaus. 2007 kaufte sie das sogenannte Roncalli-Haus von der Pfarrei St. Andreas. Bereits 1988

hatte eine kleine Gruppe den Entschluss gefasst, in Zusammenarbeit mit der Presbyterianischen Kirche in Amerika (PCA) eine reformierte Kirchengemeinde zu gründen. Anfangs in Schrollbach, ab 1991 im Pfarrheim Spesbach, erfüllte sich

2007 der Traum von einem eigenen Haus in Landstuhl.

„Unsere Vision, Militärangehörigen im Großraum Kaiserslautern eine religiöse Heimat in einer reformierten Gemeinde zu geben und Kraft und Zuversicht fern der Heimat

aus den Worten der Bibel zu erfahren, hat sich verwirklicht“, erzählt Pastor Toby DuBose (43 Jahre). Der Theologe studierte in Florida und wirkte als Geistlicher in Nordamerika. Am 8. Septemberwurde er durch die Ältesten der Gemeinde, die „Elders“ heißen und in etwa mit Presbytern verglichen werden können, im Beisein von Militärgeistlichen vom Flugplatz Ramstein und Pastoren befreundeter Gemeinden

durch Handauflegung eingeführt. In dem schlicht gehaltenen Gottesdienstsaal

dominieren das große Holzkreuz, das Predigerpult und der Tisch des Herrn. Die Worte der Bibel, das Evangelium, das als Gospel vorgetragen wird, und die Predigt

sind die wichtigsten Teile des Gottesdienstes. Das Abendmahl hingegen wird nicht bei jedem Gottesdienst gereicht.

Die Elders, einige sind auch als Prediger aktiv, leiten die Geschicke der Gemeinde. Diese ist selbstständig und finanziert sich durch freiwillige Spenden. Der feste Stamm

der Gemeinde umfasst 60 Mitglieder. Durch den Militärdienst herrscht ein Kommen und Gehen. Aber zwischen 60 und 100 Gottesdienstbesucher sind es sonntags immer. Die Kinderwerden in der Sonntagsschule betreut und unter der Woche bietet die Gemeinde Bibelkreise an. Die TRC praktiziert außerdem die Säuglingstaufe.

 

Damit unterscheidet sie sich in einem zentralen Punkt von der Evangelisch-

Freikirchlichen Gemeinde Landstuhl, den Baptisten. Deren Mitglieder werden in der Regel mit 14 Jahren getauft. „Die Bezeichnung Baptisten ist abgeleitet vom Griechischen und bedeutet untertauchen und im übertragenen Sinn taufen“, erklärt Rolf Lyding, praktizierender Urologe in Landstuhl und Mitbegründer der hiesigen Baptisten-Gemeinde. Jugendliche, die in die Gemeinschaft aufgenommen werden wollen, müssen daher tatsächlich bei ihrer Taufe untertauchen, sowie laut Bibel einst Jesus. In den 1970er-Jahren gegründet, konnte die aufstrebende Gemeinde im Jahr 1991 ihr eigenes Zentrum in Landstuhl eröffnen. Die Mittel dafür stammen aus Spenden. Diakon Tobias Lyding (29 Jahre), Fachlehrer für Arbeitslehre, Musik und Sport, bemerkt: „Wir sind freikirchlich, weil wir für die freie und persönliche Glaubensentscheidung des Einzelnen eintreten und als Gemeinde gegenüber dem Staat und anderen Institutionen unabhängig sind. Wir finanzieren unsere gemeindliche Arbeit durch freiwillige Spenden.“ Der Diakon verweist darauf, dass

die Bibel und dort speziell das Evangelium die Grundlage seines Glaubens sei. „Unsere Gemeindemitglieder versuchen, ihr Leben darauf auszurichten – in der heutigen Zeit oftmals keine leichte Aufgabe“, sagt der 29-Jährige. Wie bei der TCS, übernehmen auch bei den Baptisten die Ältesten die Gemeindeführung. Das sind zurzeit Rolf Lyding und Trent Fox, Offizier der amerikanischen Streitkräfte. Einen hauptamtlichen Pastor hat die 33-köpfige Gemeinde momentan

nicht. Die Mitglieder gestalten ihren Gottesdienst selbst.

 

Dass die Feier zu Gottes Ehre Menschen jeden Alters anspricht, ist der im Frühjahr 2009 gegründeten Christus Gemeinde Landstuhl (CGL) wichtig. 25 Personen aus Landstuhl und Umgebung haben sich damals zusammengetan. Die CGL gehört zu

der Familie der Evangelischen Freikirchen. Ende September erst wurde die junge Gemeinde offiziell in den Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden aufgenommen. „Wir

Gründungsmitglieder kamen aus einer russlanddeutschen Kirchengemeinde“,

berichtet Pastor Alexander Kerbel aus Ramstein. „Wir haben uns zwei Ziele gesetzt: Anpassung des Gemeindelebens an die Bedürfnisse der Menschen sowie unsere

Gottesdienste in deutscher Sprache zu halten, um eine stärkere Integration der Gemeinde in die Gesellschaft zu erreichen.“ Der gelernte Konditor ist auch

Vorsitzender der CGL. Prediger Albert Stein, im Hauptberuf Bankkaufmann, bemerkt dazu: „Uns ist es wichtig, die Worte der Bibel in aktueller und für die Gottesdienstbesucher verständlicher Form weiterzugeben. Als Freikirche haben wir bedeutend mehr Entfaltungsmöglichkeiten als die traditionellen Kirchengemeinden.

Wir gestalten den Gottesdienst so, dass er alle Altersklassen anspricht.“ Bei der Musik dürfe es daher auch mal etwas „rockig“ sein. Und Stein betont: „Wir nehmen uns bewusst Zeit für die Kinder im Gottesdienst.“

Aktuell hat die CGL 53Mitglieder, plus etwa 25 Kinder und Jugendliche. Mit der Taufe, die Personen ab dem 18. Lebensjahr gespendet wird und die nach Möglichkeit im Naturerlebnisbad Landstuhl stattfindet, ist der Täufling Mitglied der Gemeinde. Die CGL erhebt keine Kirchensteuer, sondern finanziert sich durch Spenden.

 

Adresse
Bruchwiesenstr. 14

66849 Landstuhl